Allgemein · Unterricht mit dem Tablet

Unterrichten in der Tabletklasse

Wie können wir einzelne Lehrkräfte ebenso wie Gruppen von Lehrkräften befähigen, mit digitalen Endgeräten wie iPads zu unterrichten? Ich war Teil des Teams, das im Auftrag des Niedersächsischen Landesamts für Qualitätsentwicklung (NLQ) einen Moodle-Kurs entwickelt hat, der genau diese Aufgabe übernimmt – indem er

  • sowohl zum Selbstlernen als auch zum Lernen in Gruppen einlädt,
  • sowohl für technisch unerfahrene als auch für technisch versierte Lehrkräfte Lernwege bereithält und
  • methodisch das umsetzt, was inhaltlich vermittelt werden soll: selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen in einer Kultur der Digitalität, das ebenso zum Weiterlernen einlädt wie zur Reflexion.

Warum dieser Kurs unbedingt zu empfehlen ist, nicht nur mit Blick auf „das wohl größte Digitalisierungsprojekt in Niedersachsens Schulgeschichte [… ,] alle Siebtklässler sowie Lehrkräfte mit kostenlosen Tablets ausstatten“, liegt an der Differenzierung, den didaktischen Doppeldeckern und dem Herzstück, dem Bild des Lernens:


Ein Bild des Lernens (nach KMK)

Mir persönlich am wichtigsten ist am Kurs das Bild des Lernens, das wir im Modul „Veränderte Lernkultur in einer digitalen Welt“ nachgezeichnet haben. Ausgehend vom Leitmedienwechsel begründet der Kurs basierend auf den Papieren der Kulturministerkonferenz (KMK) von 2016 („Bildung in der digitalen Welt“), 2021 („Lehren und Lernen in der digitalen Welt“) sowie 2024 („Handlungsempfehlung für […] zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz[…]“), dass wir grundsätzlich von Lernprozessen ausgehen, die gestaltet und reflektiert werden:

cc by Niels Winkelmann

Sie basieren zudem auf den sogenannten 4K-Kompetenzen (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken) und sind oft problem-, produktorientiert oder auch projektbasiert.

cc by Niels Winkelmann

Diese Lernprozesse können gut in digitalen Lernumgebungen stattfinden, in denen beispielsweise dokumentiert, Feedback gegeben und reflektiert wird.

cc by Niels Winkelmann

Dabei hat auch KI ihren Platz als ko-aktives Teammitglied.

cc by Niels Winkelmann

Dadurch bekommen Lehrkräfte einerseits eine Funktion als Lern(prozess)begleitung, aber auch als Inspektion für den gesamten Prozess in all seinen Facetten. Insofern müssen Prüfungen auch diesen gesamten Prozess in den Blick nehmen.

cc by Niels Winkelmann

Diese Vorstellung hat keinen Absolutheitsanspruch, deckt sich aber sehr mit meiner Vorstellung von Lernen und Leisten, die ich in der Arbeitsphase hier aufgeschrieben habe. Sie ist der Leitfaden für das Modul „Veränderten Lernkultur in einer digitalen Welt“.

Unterschiedliche Reihenfolgen als Differenzierung für (un)erfahrene Lehrkräfte

Die Papiere der Kulturministerkonferenz zeigen im Einklang mit theoretischen Konzepten wie dem DPACK-Modell, dass im digitalen Raum einerseits Kenttnisse und Fähigkeiten im Digitalen und Technischen notwendig sind und andererseits „die anwendungsbezogene sowie gesellschaftlich-kulturelle Perspektive von digitalen Phänomenen und Veränderungsprozessen“ (KMK). Wir haben dieses sogenannte Dagstuhl-Dreieck, mit dem die Kultusministerkonferenz auch argumentiert, im didaktischen Sinne auf zwei Perspektiven verkürzt: Der Kurs bietet einerseits einen Lernpfad für technisch unerfahrene Lehrkräfte, andererseits einen für technisch versierte. 

Da in Moodle nur eine Reihenfolge möglich ist und die Mehrzahl derer, die diesen Kurs als Selbstlernkurs online absolvieren, eher technisch geübt ist, folgt der Kurs in Moodle der Reihenfolge für die Zielgruppe der technisch Versierten, die unmittelbar (1) mit der veränderten Lernkultur und (2) den dafür notwendigen Kompetenzen beginnt, selbstorganisiert und selbstgesteuert zu lernen. Anschließend werden (3) Classroom-Management und (4) Kollaboration und Ko-Kreation thematisiert, bevor (5) die systematische Nutzung der Endgeräte und (6) der Medienproduktion aus Anleitungsperspektive an der Reihe sind.

Technisch unerfahrene Lehrkräfte sollten sich hingegen zunächst die (5) systematische Nutzung der Endgeräte sowie die Chancen der (6) Medienproduktion erarbeiten, bevor sie ihren Blick dafür weiten, wie durch (3) Classroom-Management (4) Kollaboration und Ko-Kreation möglich wird. Davon ausgehend kann dann der gesellschaftlich-kulturelle Veränderungsprozess im Sinne des Dagstuhl-Dreiecks besser verstanden werden, der hinter der (1) veränderten Lernkultur liegt, in der (2) selbstorganisiert und selbstgesteuert gelernt wird.

In beiden Fällen bilden (7) Schulentwicklung und (8) Reflexion den Abschluss, um die Lernprozesse in die Schule hineinzutragen und als persönliche Lernwege fortzusetzen.

Beide Wege werden im Einstiegsmodul anhand der Nutzungsszenarien erklärt.

Didaktische Doppeldecker als zentrales Prinzip

Damit nutzt der Kurs im Sinne der Kultusministerkonferenz auf mehreren Ebenen das Prinzip des „didaktischen Doppeldeckers“ (KMK): Einerseits können sich Lehrkräfte die Nutzung der technischen Möglichkeiten erarbeiten, die Tablets grundsätzlich bieten (systematische Nutzung der Endgeräte), besonders durch Kollaboration und Ko-Kreation sowie Medienproduktion. Andererseits werden sie dadurch befähigt, ihre Schüler:innen systematisch mit Endgeräten lernen zu lassen. Zudem lernen die Lehrkräfte auf der Meta-Ebene, ihren eigenen Lernprozess zu gestalten und zu reflektieren, medienproduktiv, selbstorganisiert und selbstgesteuert zu arbeiten, im Idealfall sogar kollaborativ und ko-kreativ – auch wenn hier beim Selbstlernkurs Grenzen gesetzt sind. Dennoch haben wir in den Praxisaufgaben immer wieder dazu aufgefordert, andere Lehrkräfte einzubeziehen.


Ein begleitende Video, um einen ersten Eindruck vom Projekt zu geben, habe ich hier geteilt:

Ich werde nun regelmäßig die entsprechenden Module vorstellen, die wunderbare Schätze für die praktische Arbeit zu bieten haben. Die Beiträge werde ich hier nach und nach verlinken:

cc by Niels Winkelmann