WZ-Kolumne

Kultur im Internet?

Kulturzugangsgerät, so nennt Lisa Rosa das Handy.“ Ich schaue in fragende Gesichter und erkläre, was das mit Tablets und Schule zu tun hat: Dass Kultur uns als Menschen ausmacht. Dass wir Kultur voneinander lernen, ob Tischmanieren zuhause oder Gesprächsregeln im Kindergarten. Dass wir in der Schule Zugang zur traditionellen Hochkultur ermöglichen, die uns in bisweilen sperrigen Romanen, Konzerten oder Theateraufführungen begegnet. Und dass wir jetzt durch das Internet auch mit der Kultur der Digitalität konfrontiert sind.

„Internet und Kultur? Soziale Netzwerke sind das Gegenteil von kultiviertem Umgang!“ Da will es jemand genau wissen. Deshalb erkläre ich, dass wir den Umgang miteinander im Netz kultivieren müssen. Zu jeder Klasse gibt es digitale Gruppen, oft in WhatsApp. Ob ich das als Lehrer mag oder ablehne, es ist da. Und ich werde den Einfluss des digitalen Mit- oder Gegeneinanders zu spüren bekommen. Wie auch den Streit, der nachmittags beim Sport stattfindet. Da kann ich das digitale Miteinander besser in die Schule holen. Dort kann ich das thematisieren, dort kann ich erziehen.

Zumal wir unsere Kinder ohnehin auf die Kultur der Digitalität vorbereiten müssen, weil sonst gesellschaftliche Teilhabe oft nicht möglich ist. Ohne Internet bin ich aus vielen Bereichen ausgesperrt, für die ich eine App brauche – als Fahrschein, als Impfnachweis, zum Bestellen im Restaurant. Waren oder Dienstleistungen sind zunehmend nur digital verfügbar, ein Trend, der sich durch online-Warenhäusern und der eigenen Sparsamkeit unumkehrbar verselbstständigt hat.

Wenn wir in der Schule Kompetenzen für die Kultur der Digitalität vermitteln, können nachfolgende Generationen die Zukunft mitgestalten und stehen nicht tatenlos vor dem sprichwörtlichen Neuland. In der Digitalität bedeutet Lernen weniger passiv konsumieren, mehr aktiv produzieren. So lernen viele Kinder im Internet etwas über ihr Hobby, selten über schulische Themen. Dabei könnten wir digitale Lehr-Lern-Möglichkeiten kultivieren, Zugang ermöglichen. Durch die Nutzung von Geräten, die vielen Kindern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und durch die Nutzung von Digitalität, mit der sie gerne – und häufig effektiv – lernen. Damit sie Zugang haben zu vielen, möglichst allen Kulturen.

cc by Niels Winkelmann

Diese Kolumne erschien in der Wilhelmshavener Zeitung am 9. November 2021.

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