Zeitgemäße Bildung

Lernentwicklungsgespräche als Persönlichkeitsbildung

Seit etlichen Jahren haben wir bei uns in den Jahrgängen 9/10 Lernentwicklungsgespräche eingeführt. Das Klassenlehrer-Duo führt die Gespräche gemeinsam mit jeder/m Schüler:in mit dem Ziel, einen Blick auf die Entwicklung zu werfen. Dabei kamen stets verschiedene Aspekte über die Schülerrolle hinaus in den Blick: Wenn Jugendliche beispielsweise Leistungssport betreiben oder sehr zeitintensive Hobbys wie Musik haben, geht es um die Vereinbarkeit mit der Schule; aber auch Aspekte wie das Zur-Ruhe-kommen oder die Frage nach intellektuellen oder künstlerischen Herausforderungen im Leben der Schüler:innen kommen zur Sprache.

Über die Jahre hat es sich etabliert, dass die Schüler:innen sich auf das Gespräch vorbereiten und sich selbst reflektieren (können), indem sie einen Selbsteinschätzungsbogen vorab ausfüllen und mit dem Lehrerduo vorab oder im Gespräch teilen können. Nachdem sich die Formulierungen zunächst an klassischen Erwartungen an das Schüler:innen-Verhalten orientierten (Häufigkeit von Unterrichtsbeteiligung, ordentliche Mappenführung, Hausaufgaben etc), haben wir im letzten Jahr den Blick drei der vier Dimensionen von Bildung nach Fadel u.a. (2017) geworfen:

  • die 4K-Skills Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken,
  • die sechs Charaktereigenschaften (Achtsamkeit, Neugier, Mut, Resilienz, Ethik und Führung sowie
  • das Meta-Lernen.

Anhand dieser Selbstreflexionsbögen (zum cc by-Download als pdf oder docx) können die Schüler:innen einschätzen, wie ausgeprägt diese Fähigkeiten und Charaktereigenschaften bei sich selbst sind.

Auszug aus dem Selbstreflexionsbogen

Erfahrungsgemäß sind sie mit dem Ausfüllen im ersten Jahr sehr vorsichtig und kommen unsicher und skeptisch in die Gespräche, im zweiten Jahr bekommen wir viele Selbsteinschätzungsbögen (vorab) zu sehen und können darüber viel intensiver die Selbst- und Fremdwahrnehmung abgleichen. Dadurch nehmen Schüler:innen oft Dimensionen an sich selbst wahr, die ihnen vorher nicht wichtig waren, lernen Stärken wertzuschätzen und werden sich ihrer Schwächen bewusst.

Zudem finden diese Gespräche in Jahrgang 10 auch im Kontext von Betriebspraktika statt, was die Frage nach der Zukunft mit einbindet. Diese Perspektive führt meistens zu Identitätsfragen, welche Berufsfelder, aber auch welche grundsätzlichen Vorstellungen von Zukunft für die Schüler:innen relevant sind. Für viele Jugendliche stellt sich damit die Frage, wer sie sind, was sie können, aber auch was sie wollen und wie sich diese Dinge in ihre Lebenserzählung integrieren lassen.

cc by Niels Winkelmann

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