WZ-Kolumne

Digitalisierung als großer Verstärker

„Was macht die Digitalisierung mit der Bildung?“, fragt Jöran Muuß-Merholz auf Youtube. Er hat für das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung eine Reihe von sehenswerten Impulsvideos zur Digialisierung produziert.

Seine erste These: „Digitale Medien sind sehr mächtige Verstärker!“ Damit meint er alle Lebensbereiche: Privat kann ich mit digitalen Medien besser auf dem Sofa abhängen, beispielsweise durch Serien-Streaming. Privat kann ich aber auch die Welt besser entdecken, ich habe immer eine Enzyklopädie dabei – Fotoapparat und Videokamera sowieso. Ich kann viel leichter manipuliert werden, dank Fake-News oder Bildbearbeitung. Aber ich kann auch Informationen besser kritisch hinterfragen, mit Medienkompetenz und guter Recherche. 

Ebenso erläutert Muuß-Merholz, dass man mit Medien „Unterricht mit enger Struktur und strenger Kontrolle“ besser gestalten kann. Beispielsweise kann man engmaschig testen oder Tablets genau überwachen. Ebenso könne man besser „aktives und forschendes Lernen“ ermöglichen. Beispielsweise durch digitale Verbindungen in die Welt, wie Videokonferenzen mit Forschern, oder durch vielfältige und überall verfügbare Materialien für individuelle Projekte. 

Letztlich geben digitale Medien nicht die Richtung vor, sondern verstärken nur eine jeweilige Richtung. Deshalb stehen wir Lehrer:innen derzeit vor richtungsweisenden Entscheidungen. Wir entdecken, was mit Tablets und interaktiven Displays möglich ist. Wir entdecken, mit welcher App wir wie arbeiten können. Aber letztlich müssen wir einschätzen, wie unsere Schüler:innen am besten lernen können. Sollten wir auf Kontrolle setzen, auf spielerische Ansätze der Gamification, auf Bürosoftware oder auf kreative Medienproduktion?

Daher stehen wir vor Grundsatzfragen. Wir sollten nicht fragen: „Was macht die Digitalisierung mit der Bildung?“ Oder: „Was macht die Digitalisierung mit uns?“ Wir sollten fragen: „Was machen wir mit der Digitalisierung?“ Damit unsere Schüler:innen fachlich gut gebildet sind. Damit sie sozial kompetent sind. Damit sie sich auch in der digitalen Welt auskennen. Und damit wir sie in die Eigenständigkeit entlassen können. Wir müssen entscheiden, was wir verstärken wollen.

Das ganze Video: https://youtu.be/jQay6p3jTlY

cc by Niels Winkelmann

Die Kolumne wurde am 31. August in der Wilhelmshavener Zeitung veröffentlicht.

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